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Die linke Zeichnung aus einer alten Handschrift zeigt Wulfstan, einen angelsächsischen  Erzbischof des 11.  Jahrhunderts.  Die  meisten zeitgenössischen Berichte von Wikinger  Überfällen  gehen auf Wulfstan  und  andere  christliche Chronisten zurück. Sie füllten  die Annalen der Kirche mit Beschreibungen der blutbefleckten AItäre und zertrampelten Reliquien. Die Überfälle wurden von ihnen als Strafe  Gottes  für  die  Sünden  der Menschheit  ausgelegt und  ihre Klagen   dienten dazu,  die erschreckten  Leute wieder stärker an die Kirche zu binden.

 

Vieles an diesen kraft- und temperamentvollen,  wißbegierigen  und  in  die  Feme  strebenden Abenteurern bleibt ein Geheimnis - so auch  ihr  Name.  Niemand  kann  mit  Sicherheit  sagen,  woher  das  Wort  "Wiking"  eigentlich  kommt  und  welche Bedeutung es ursprünglich hatte. Verschiedene Etymologen haben es auf verschiedene altnordische Wörter zurückgeführt, entweder auf vik mit der Bedeutung "Bucht", weil die skandinavische  Heimat der  Wikinger von  Fjorden  zerklüftet  ist, oder auf  vig  - "Kampf" -, weil sie das Kriegshandwerk so gut beherrschten; auch vikja  wurde als Ursprungswort ins Feld geführt:  Es heißt "sich wenden, abweichen" und weist auf die Verschlagenheit und das Umherschweifen der Wikinger hin. Welchen  Ursprungs  es  auch  immer  sein mag, das Wort nahm für die Völker Europas bald eine Bedeutung an, die es bis heute beibehalten hat:  Ein Wikinger  ist  jemand,  der auf dem Meer umherstreicht, der plündert und erobert,  jemand voll Mut, Schläue  und brutaler  Kraft. Diese  Bedeutung  hatte das Wort auch für die Wikinger  selbst.  Wenn  ein  Nordmann  sagte,  daß  er  "wikingen"  würde - etwas,  wovon  kühne  und  ehrgeizige   Männer  in  den skandinavischen Ländern im ganzen 9. und 10. Jahrhundert träumten -, dann  wollte er damit ausdrücken, daß er ein Schiff ausrüsten wurde, um damit auf die hohe See und auf die Suche nach Beute und Abenteuern zu gehen.  Beides  war in den Augen der Wikinger ein höchst erstrebenswertes Ziel. Das Wort war aber auch immer  mit einer gewissen  Zweideutigkeit behaftet.  Bei Wikingern mußte man stets damit rechnen, daß sie ihre Schiffe nicht nur gegen Fremde in der Feme,  sondern - aus  diesem oder jenem Grund - auch gegen ihre eigenen Nachbarn richten würden. In dem Fall wurden dann die Geschädigten die Meere nach ihnen absuchen, um sie zu bestrafen. Hatte sich eine Horde von Wikingern  aber einmal niedergelassen und von einem Territorium Besitz ergriffen, dann gefiel es ihnen ebensowenig wie anderen, wenn sie ausgeplündert wurden. Magnus, ein  auf  den  Orkney-Inseln  geborener  wikingischer  Jarl, wurde  beispielsweise in einer Saga dafür gepriesen, daß er  "streng und schonungslos"  mit den vom  Meer her einfallenden Räubern und Eindringlingen verfuhr.  Der  Ursprung  des  Namens  "Wikinger"  ist  nur  das  erste Rätsel, das sich im Zusammenhang mit den Skandinaviern ergibt. Praktisch alles, was über sie  bekannt  ist,  geht  auf  dunkle  und  lückenhafte  alte  Quellen  zurück.  Weitere Informationen  liefert  die  moderne  Archäologie,  die  erst  damit  begonnen  hat,  die  Geschichte  dieses  faszinierenden  Volks zu rekonstruieren. Die ältesten Quellen stammen fast noch aus der Zeit der ersten Uberfälle und waren von Geistlichen wie Alkuin, Abbo oder  Adam  von Bremen  verfaßt  worden.  Sie  liefern  aus  erster  Hand  Hunderte  von  Kommentaren  und Berichten, die durch die angelsächsischen  und  russischen  Manuskripte  weltlicher  Chronisten  hervorragend  ergänzt  werden.  Bei diesen Aufzeichnungen besteht  jedoch  gleichzeitig  die  Gefahr  einer  einseitigen  Darstellung, weil die Verfasser entweder selbst Opfer von Raubzügen der Wikinger  waren oder mit den Opfern sympathisierten. Die Wikinger selbst führten bedauerlicherweise weder auf See Logbucher noch an Land Annalen.  Bis  zum 11. Jahrhundert  schrieben  sie praktisch überhaupt  nichts  anderes als die Runenzeichen auf Grab- und Wegsteinen.

 

 

 
Kpt. Schmidt  -   ist  vorAnker   ; zuletzt bearbeitet: 16. Mai 2012 ↑ Seitenanfang ↑
 
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