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Vieles an diesen kraft- und temperamentvollen, wißbegierigen und in die Feme strebenden Abenteurern bleibt ein Geheimnis - so auch ihr Name. Niemand kann mit Sicherheit sagen, woher das Wort "Wiking" eigentlich kommt und welche Bedeutung es ursprünglich hatte. Verschiedene Etymologen haben es auf verschiedene altnordische Wörter zurückgeführt, entweder auf vik mit der Bedeutung "Bucht", weil die skandinavische Heimat der Wikinger von Fjorden zerklüftet ist, oder auf vig - "Kampf" -, weil sie das Kriegshandwerk so gut beherrschten; auch vikja wurde als Ursprungswort ins Feld geführt: Es heißt "sich wenden, abweichen" und weist auf die Verschlagenheit und das Umherschweifen der Wikinger hin. Welchen Ursprungs es auch immer sein mag, das Wort nahm für die Völker Europas bald eine Bedeutung an, die es bis heute beibehalten hat: Ein Wikinger ist jemand, der auf dem Meer umherstreicht, der plündert und erobert, jemand voll Mut, Schläue und brutaler Kraft. Diese Bedeutung hatte das Wort auch für die Wikinger selbst. Wenn ein Nordmann sagte, daß er "wikingen" würde - etwas, wovon kühne und ehrgeizige Männer in den skandinavischen Ländern im ganzen 9. und 10. Jahrhundert träumten -, dann wollte er damit ausdrücken, daß er ein Schiff ausrüsten wurde, um damit auf die hohe See und auf die Suche nach Beute und Abenteuern zu gehen. Beides war in den Augen der Wikinger ein höchst erstrebenswertes Ziel. Das Wort war aber auch immer mit einer gewissen Zweideutigkeit behaftet. Bei Wikingern mußte man stets damit rechnen, daß sie ihre Schiffe nicht nur gegen Fremde in der Feme, sondern - aus diesem oder jenem Grund - auch gegen ihre eigenen Nachbarn richten würden. In dem Fall wurden dann die Geschädigten die Meere nach ihnen absuchen, um sie zu bestrafen. Hatte sich eine Horde von Wikingern aber einmal niedergelassen und von einem Territorium Besitz ergriffen, dann gefiel es ihnen ebensowenig wie anderen, wenn sie ausgeplündert wurden. Magnus, ein auf den Orkney-Inseln geborener wikingischer Jarl, wurde beispielsweise in einer Saga dafür gepriesen, daß er "streng und schonungslos" mit den vom Meer her einfallenden Räubern und Eindringlingen verfuhr. Der Ursprung des Namens "Wikinger" ist nur das erste Rätsel, das sich im Zusammenhang mit den Skandinaviern ergibt. Praktisch alles, was über sie bekannt ist, geht auf dunkle und lückenhafte alte Quellen zurück. Weitere Informationen liefert die moderne Archäologie, die erst damit begonnen hat, die Geschichte dieses faszinierenden Volks zu rekonstruieren. Die ältesten Quellen stammen fast noch aus der Zeit der ersten Uberfälle und waren von Geistlichen wie Alkuin, Abbo oder Adam von Bremen verfaßt worden. Sie liefern aus erster Hand Hunderte von Kommentaren und Berichten, die durch die angelsächsischen und russischen Manuskripte weltlicher Chronisten hervorragend ergänzt werden. Bei diesen Aufzeichnungen besteht jedoch gleichzeitig die Gefahr einer einseitigen Darstellung, weil die Verfasser entweder selbst Opfer von Raubzügen der Wikinger waren oder mit den Opfern sympathisierten. Die Wikinger selbst führten bedauerlicherweise weder auf See Logbucher noch an Land Annalen. Bis zum 11. Jahrhundert schrieben sie praktisch überhaupt nichts anderes als die Runenzeichen auf Grab- und Wegsteinen.
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